Freilandhaltung
Beispiel für eine kleine Freianlage mit Frühbeet
von Hoklatherm, hier leben 5 semiadulte Nachzuchten
Ich schließe mich
der Meinung vieler Halter an, daß europäische Landschildkröten
auf Dauer für die Haltung in der Wohnung ungeeignet sind.
Es mag zwar Halter geben, die mit reiner Wohnungshaltung gute Erfahrungen gesammelt
haben, allerdings ist eine artgerechte Haltung in der Wohnung mit sehr hohem
technischen Aufwand und entsprechend viel Platz verbunden.
Deshalb werden meine adulten Testudo hermanni boettgerie ganzjährig im
Freiland gehalten. Obwohl ich im Norden Deutschlands wohne, wurden die Tiere
über Jahre ohne Zusatzheizung gehalten, was nie zu offensichtlichen Beeinträchtigungen
führte.
Um die Haltungsbedingungen jedoch zu optimieren setze ich seit einigen Jahren
auch Frühbeete ein, die ich phasenweise auch beheizen kann.
Draußen bekommen die Tiere das für Knochen- und Panzeraufbau so wichtige
UV-Licht und haben natürlich durch den Bodenbewuchs ein wesentlich abwechslungsreicheres
Futterangebot.
Die Männchen
und Weibchen werden ganzjährig zusammengehalten. Dazu sollten mindestens
zwei Weibchen auf ein Männchen kommen, besser ist ein Verhältnis von
3-4 Weibchen auf 1 Männchen.
Aufgrund des Weibchenüberhangs entsteht für das einzelne Weibchen
kein allzu großer Stress, zumal die Tiere sich aus dem Weg gehen können.
Hierfür ist es wichtig, daß die Freilandanlage eine ausreichende
Größe hat. Für zwei ausgewachsene Tiere sollte das Freigehege
wenigstens 4 Quadratmeter haben für jedes weitere Tier kann man etwa 1
Quadratmeter hinzurechnen. Dies ist natürlich nur ein Richtwert. Grundsätzlich
gilt: je größer umso besser.
Hier zeigt sich bereits
die Problematik der Wohnungshaltung. Nur wenige werden in der Lage sein, den
Tieren in der Wohnung ein ausreichend großes Terrarium zu bieten.
Entscheidend ist auch, daß die Anlage gut strukturiert wird: Durch das
Einbringen von Wurzel, Steinen und Pflanzen , wird das Gehege interessanter
und die Tiere können sich leichter aus dem Weg gehen. Im Laufe der Zeit,
habe ich meine Gehege daher immer stärker bepflanzt, was zu deutlich reduzierten
Konflikten in der Gruppe führt.
Das Gehege
Gehege der adulten Zuchtgruppe mit integriertem Gewächshaus, die Einrichtung
mit Pflanzen und Steinen ist noch nicht abgeschlossen
Während das alte Gehege
mit druckimprägnierten Palisaden umgrenzt war, habe ich mich beim neuen
Gehege für ein anderes Material entschieden.
Dies hatte verschiedene Gründe, vor allem aber wurden mir nach 8 Jahren
die Folgekosten zu hoch.
Leider lässt die Qualität der Palisaden im Handel immer mehr nach,
so dass bereits nach 5-6 Jahren permanent Palisaden, die verottet sind, getauscht
werden müssen.
Die Abgrenzung besteht nun aus Lichtpanelen, die mittels Aluprofilen an Kunststoffpalisaden
befestigt. Aufgrund der Gehegegröße musste ich zwar einige
hundert Euro investieren,
hoffe nun aber auf Jahre eine stabile Abgrenzung zu haben.
Verstecke
Im Gehege sind Verstecke für die Schildkröten ganz wichtig. Die Tiere müssen sich zum Einen aus dem Weg gehen können, zum Anderen suchen sie bei großer Hitze auch gerne schattige oder halbschattige Verstecke auf. Gut geeignet sind unbehandelte Holzstämme, Korkrinde und Steine. Natürlich sind auch kleine Strächer geeignet (siehe unten). Wichtig ist, daß die Schildkröten sich gerne vergraben. Alle Verstecke sollten also einsturzsicher konstruiert sein.

Ob in der prallen Sonne oder im Schatten, die Tiere graben sich
sehr gerne ein.
Bepflanzung
Der Boden ist überwiegend mit unkrautdurchzogenem Rasen bewachsen, der,
wenn nötig, kurzgehalten wird. Ich schneide dann zu langes Gras mit einer
Gartenschere ab und lasse es liegen. Nach einigen Tagen wird das entstandene
Heu gerne von den Schildkröten gefressen. Vor dem Haus gibt es keinen Pflanzenbewuchs,
damit der Boden hier schneller abtrocknet ebenso wie an der Eiablagestelle.
Außerdem steht ein kleiner Wildkirschbaum im Gehege, der mit kleinen Holzstämmen
umlegt ist. Darunter graben sich die Tiere gern ein. Heruntergefallene Blüten
und Blätter werden mit Genuß verspeist.
Zusätzlich sind im Gehege kleine Koniferen gepflanzt, wie sie eigentlich
für Balkonkästen verkauft werden. Sie sind kleinwüchsig und werden
gerne als Versteck genutzt. Auch Lavendel und Rosmarin eignen sich ab einer
gewissen Größe zur Bepflanzung, da sie nicht gefressen werden.
Nicht immer sind Schildkröten und Halter sich einig,
was Dekoration und was Futter ist
(hier Salbei)
Zusätzlich lasse ich zunehmend auch große Süßgrastauden einfach auswachsen und habe Seggen und Simsen gepflanzt, diese werden von den Tieren kaum gefressen. Im späten Frühjahr ist der hintere Teil des Geheges völlig zugewachsen. An heißen Tagen verkriechen sich die Tiere hier gern unter den Büschen oder den horstbildenden Gräsern.
Zugewachsenes Freigehege im späten Frühjahr
Natürlich
können im Gehege auch alle Arten von Futterpflanzen ausgesät oder
angepflanzt werde, sodass sie den Speiseplan der Tiere bereichern. Wichtig ist
nur, daß keine giftigen Pflanzen im Gehege stehen.
Früher benutzte ich einen Tonuntersetzer als Trinkgelegenheit für
die Tiere, leider verschmutzen die Tiere das Wasser innerhalb kürzester
Zeit, daher setze ich heute handelsübliche Geflügeltränken ein,
so haben die Tiere kaum eine Chance im Wasser abzukoten.